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ExitGraz

Die literarische Kolumne des Grazer Stadtmagazins G7

Elisabethstraße 30    

Margret bestellt Aperol über die Schulter hinweg, ihr Handrücken pariert den Blick der Kellnerin, ein zum Absprung bereites Tier an der Tischkante, daneben der Aschenbecher, meine Espressotasse und nichts als ein Schmutzrand darin. Meine Bestellung geht leer aus. Die Kellnerin vermeidet es, mir in die Augen zu sehen, ist nur eine flüchtige Bewegung in schwarz, eine knappes Leibchen mit der Losung des Lokals daran, orange, die Literaturhausterrasse daneben und wenn sie sich nach vorne beugt, um die Nebentische abzuwischen, kann ich von der Seite ihre Brüste sehen, dann ist da wieder ein Arm und eine Bewegung und Margrets nächste Zigarette.
Der Juli hat die Hitze wie eine Haut zwischen den Häusern abgestreift und nur wer es ihm gleichtut, darf sich während der Sommerwochen nach draußen wagen und ins Freie. Im Haus gegenüber dem Wolfgang-Bauer-Park stehen zwei Mädchen gegen das Balkongeländer gelehnt. Du hörst mir nicht zu, sagt Margret und ich entschuldige mich, ich war in Gedanken sage ich, eines der beiden Mädchen hat sich inzwischen hingesetzt und ist hinter der Betonbrüstung versunken, ist eins geworden mit dem Stein und der Hitze und nur ihr blondierter Haaransatz ist noch zu sehen und die Kellnerin bringt Margret ihren Aperol und ich bestelle auch einen und man serviert mir vorwurfsvolle Blicke zum unterwürfigen Ton, warum nicht gleich.
Irgendwann geht ein Donnern über die Stadt als dehne sich alles in ihr, jedes Haus und jeder Platz und jeder Straßenzug zu ihren Rändern aus und zerre dabei an dem, was sie im Untergrund noch halte: Grundfesten, Kabelstränge und Kanäle. Die Türsteher des Kulturhauskellers kommen an den Torausgang und deuten zu uns herüber, jeder Weg, jede Verbindung zwischen uns plötzlich ausgewaschen und abgeschnitten vom Wasser auf den breiten gelben Steinplatten, ein Silberfilm darüber, und noch ein wenig später wird auch der Pizzabäcker von hinten an die zwei herantreten und in den Nebel weisen, der da dumpf und dicht vom Boden aufsteigt, das verdunstet sofort, keiner kann kommen und der Pizzaofen ist schon angeheizt.
Margret bestellt noch einmal Aperol, sie sei bereits betrunken sagt sie, aber das dürfe mich nicht wundern, das sei sie jetzt fast jeden Tag seit es wieder Sommer sei und im übrigen werde sie sich von Johannes trennen, sie habe ihm nur noch nichts davon gesagt. Warum sie es dann mir erzähle, frage ich und sie zuckt die Schultern, dahinter der Regen und der Jonke-Brunnen, führt der gläserne Text darin nach sieben dürren Jahren wieder Wasser und verrinnt darunter, unleserlich, nur so, sagt Margret. Damit ich es wisse. Aber ich solle es noch nicht weitererzählen. Außerdem nenne sie sich jetzt Margerita, sagt sie, das sei der Sommer.Der Kellner an der Bar stellt die Musik lauter und die Kellnerin bringt unsere Bestellung und sie müsse jetzt kassieren, sagt sie, es sei demnächst Schichtwechsel und ich stelle mir vor wie auch sie sich auszieht bis aufs Hemd, bis auf die Haut und sie sich vom Leib streift zwischen den Steinen, und ihr Gesicht, ihren Namen und das Logo auf ihrem Shirt, in der Hitze.
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